Exkursion nach Berlin

15. - 19. April 2015

Metropole im Wandel

In Folge der deutschen Wiedervereinigung ist Berlin wie keine andere europäische Hauptstadt auf dem Weg zu einer neuen Identität. Der Zweite Weltkrieg und nach 1945die in Ost und West sehr unterschiedliche Stadtentwicklungspolitik führten zu einer wohl einzigartigen Situation des steten Neubeginns.

Ein besonderer Schwerpunkt lag in der aktuellen Entwicklung des Wohnungsbaus, in Berlin derzeit untrennbar mit dem Begriff der „Gentrifizierung“ verbunden oder, anders formuliert, mit der Frage, wie kostengünstiges und zugleich qualitätvolles Bauen in Einklang blieben können. Hierüber kam es mit den Teilnehmern aus der Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg zu einem intensiven Austausch, wobei deutlich wurde, dass der große Preisdruck in Berlin zu einem zunehmenden Verlust handwerklicher Kenntnisse und bautechnischer Erfahrungen auf Seiten der ausführenden Firmen führt.

Rund um den Reichstag und die Schweizer Botschaft erstaunten die weiträumigen, zum großen Teil noch unbebauten Flächen des Berliner Regierungsviertels, das sich mit dem ambitionierten Neubau des Hauptbahnhofs langsam zu einem neuen, administrativen Zentrum entwickelt. Die beiden traditionellen Zentren Berlins, City West am Zoo und City Ost rund um den Alexanderplatz sind beide Schauplätze aktueller Architekturdiskussionen und wurden im Rahmen der Exkursion besichtigt. 

Brigitte Jussel und Marcus Nitschke präsentierten die aktuellen Neubaudiskussionen in ihrem architektonischen und politischen Kontext. Geschichte und Gegenwart sind in Berlin eng miteinander verwoben. Die Berliner Mauer ist in vielen architektonischen Zusammenhängen nach wie vor präsent, ebenso wie die Stadtplanungen des „Dritten Reiches“ und die Nachkriegsmoderne mit Bauten wie Hans Scharouns Philharmonie, Mies van Rohes Nationalgalerie oder Le Corbusiers Berliner „Unité d’habitation“.

Besonderes Interesse der Teilnehmer fanden auch mehrere Beispiele von neuen Nutzungen alter Bauten wie der „Classic Remise“, einem ehemaligen Straßenbahndepot, das heute als Präsentations-, Garagen- und Werkstatthalle für Oldtimer genutzt wird, oder das Bikini-Haus am Bahnhof Zoo, einem Bürobau der 1950er Jahre, der zum Shoppingcenter mit öffentlich zugänglicher Dachterrasse umgestaltet wurde

Auf mehreren Busfahrten wurden einige der weitläufigen Stadterweiterungen und Wohngebiete besichtigt, die ebenso prägend sind wie die Bauten der heutigen Star-Architekten: die „Weiße Stadt“, größte Wohnsiedlung des Bauhauses, die Wohnbauten der „Stalinallee“, sozialistische Musterarchitektur der 1950er Jahre oder das gerade entstehende „Europa-Quartier“ am neuen Hauptbahnhof, das einige Exkursionsteilnehmer sogar schon im Rahmen internationaler Ausschreibungen bearbeitet hatten.

Auch das „Tempelhofer Feld“ wird über Berlin hinaus wahrgenommen: der stillgelegte Innenstadtflughafen wird von den Bewohnern als Park und Stadtbrache erobert und gegen alle Bebauungsplanungen verteidigt. Für die Gruppe vielleicht der symbolträchtigste und inspirierendste Ort der Exkursion: unfertig und ein offenes Feld für neue Ideen, eben Berlin.


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